Die Geschichte der Schokolade Teil 3 – Siegeszug durch Europa

Eine schnelle Eroberung des alten Kontinents durch die Schokolade war es wahrlich nicht. Aber dafür eine unaufhaltsame. Mittlerweile ist Schokolade nicht nur in Europa, sondern überall in der Welt bekannt und aus den Süßigkeitsregalen der Supermärkte nicht mehr wegzudenken. Aber bevor es soweit ist, musste die süße Versuchung ein paar politische und geschmackliche Hürden nehmen. Dabei hat sie nicht nur sich selbst sondern auch die Welt ein bisschen verändert.

In Spanien, Frankreich und Italien fand Schokolade eine wohlhabende Anhängerschaft. Schokolade wurde im 17 Jahrhundert zu einem gängigen Getränk am spanischen Königshof. Als Trinkschokolade im Laufe der Jahre billiger wurde, zum Beispiel durch den Plantagenanbau in Lateinamerika, wurde das Getränk auch in der Bevölkerung beliebt. Noch heute gehört die heiße Schokolade zu einem typischen spanischen Frühstück.

Im 17. Jahrhundert gelangte die Trinkschokolade auch nach Deutschland. Dort wurde sie überwiegend als Medizin und Stärkungsmittel verwendet. Daher konnte man Schokolade bzw. den Kakao in Apotheken kaufen. Dies war übrigens auch in anderen Ländern der Fall. In der Geschichte der Schokolade waren zahlreiche Apotheker und Arzte aktiv. So war Rudolphe Lindt Sohn eines Apothekers und Frey, der ebenfalls bedeutend zur Entwicklung der Schokolade beigetragen hat, Arzt.

Man muss sich allerdings vor Augen halten, dass das 17 Jahrhundert eine sehr kriegerische Zeit für Europa war. So tobten von 1618 bis 1648 der Dreißigjährige Krieg und der Spanisch-Französische Krieg von 1635 bis 1659 sowie der Spanisch-Englische Krieg von 1655-1660. Viele Aufzeichnungen sind daher unvollständig und der genaue Weg des Kakaos durch Europa nicht mehr nachzuvollziehen. Schokolade zu trinken war daher nicht nur ein Genuss, sondern auch ein politisches und gesellschaftliches Zeichen.

In England kam die Schokoalde in der Mitte des 17 Jahrhunderts an. Mehr als 200 Jahre nachdem Prinz Phillip von Spanien die geschlagene Schokolade von den Mayaadeligen überreicht wurde, im Jahre 1657, eröffnete in London ein Schokoladencaffee. Ein Boom wurde durch die Eroberung von wichtigen Kakaoplantagen in Jamaika durch England im Jahre 1655 ausgelöst. Mit der Ankunft in den einzelnen europäischen Ländern veränderten sich auch die Rezepte. In Italien und Spanien waren diese recht aufwändig und bedurften vielerlei Zutaten für die Zubereitung der Schokolade. Viele dieser Zutaten waren sehr teuer und exklusiv, zum Beispiel Vanille. Im heiligen Römischen Reich und in England waren diese jedoch unbekannt oder zu teuer und wurden weggelassen. In Bremen gab es 1673 erstmals öffentlich Schokolade zu trinken.

 

 

Auch in Frankreich wurde die Schokolade in der Mitte des 17 Jahrhunderts eingeführt. Zunächst zögerlich am Königshof, was sich durch das Engagement von Maria Teresa änderte. Das Servieren von Trinkschokolade bei offiziellen Anlässen wurde zwar nach ihrem Tode nicht mehr praktiziert. Jedoch war zu diesem Zeitpunkt das Trinken von Schokolade in Adelskreisen fest etabliert.

Auch zu dieser Zeit waren Kakao, Zucker und Honig, die häufig in die Schokolade gemischt wurden teuer. Somit stand das süße Getränk nur Wohlhabenden zur Verfügung.

Im 18 Jahrhundert, welches durch den Hochbarock und das Rokoko geprägt waren, wurde nicht viel an der Schokolade verändert. Jedoch wurde sie immer mehr zu einem beliebten und angesagten Getränk beim europäischen Adel und der wohlhabenden Bevölkerung. Für die meisten Menschen blieb die Schokolade jedoch ein unerschwinglicher Traum. 1745 wurde in Leipzig die Firma Riquet gegründet, die sich unter anderem der Schokoladenherstellung widmete. Die Familie Riquet war zuvor aus Frankreich immigriert, als man dort mit dem Edikt von Fontainebleau die freie Ausübung der Religion der Hugenotten verbot. Goethe genoss regelmäßig Schokolade von diesem Unternehmen.